KARATE

Karate ist eine waffenlose Kampfkunst, bei der Hände, Ellbogen, Arme, Füße, Beine - also der ganze Körper - als Waffe gegen Angriffe eingesetzt werden. Karate ist eine Kampfkunst, die rein der Selbstverteidigung dient. Andere Menschen zu verletzen oder zu töten, ohne Grund zur Selbstverteidigung, dient weder dem Sinn noch Zweck des Karate-Do. Ein echter Karateka (Karatebetreibender) wird seine Kunst niemals einsetzen, um anderen zu schaden.

Karate ist aber nicht nur eine Kampfkunst, denn neben dem Körper wird auch der Geist mit einbezogen. Karate-Do ist ein Weg (Do) zur Weiterentwicklung der eigenen Persönlichkeit und zur Festigung des Charakters. Man lernt nicht nur den Respekt vor sich selbst, sondern auch vor seinem Gegenüber. Karate-Do lehrt sowohl körperliche als auch geistige Disziplin, die den weiteren Lebensweg prägt.

Karate entstand ursprünglich vor über tausend Jahren in einem Kloster in China. Später, etwa im 17. Jahrhundert, brachten Chinesen das Karate mit auf die südlich von Japan gelegene Insel Okinawa (früheres Königreich der Ryukyu-Inseln), von wo aus es Japan gelangte. Genaue Daten sind nicht bekannt, da keine Aufzeichnungen überliefert sind. Im Jahre 1922 wurde Karate erstmals der japanischen Öffentlichkeit präsentiert.
Das Karate entstand Historikern zufolge aus einem Verbot des Waffenbesitzes, erlassen durch Kagoshima, den damaligen Herrscher des Inselreiches. Da man sich aber gegen Angriffe auf irgendeine Weise wehren musste, entwickelte man eben eine waffenlose Art der Selbstverteidigung. Aufgrund ihres chinesischen Ursprungs wurde diese Kampfkunst, oder auch Budokunst, Karate genannt, was aufgrund der Schriftzeichen chinesische Hand bedeutete. Später wurden die Schriftzeichen abgeändert, so dass sie bei gleicher Aussprache leere Hände bedeuteten.

So wie die blanke Oberfläche eines Spiegels alles wiedergibt, was vor ihm steht, und wie ein stilles Tal selbst den schwächsten Laut weiterträgt, soll der Karateschüler sein inneres leer machen von Selbstsucht und Boshaftigkeit, um in allem, was ihm begegnen könnte, angemessen zu handeln. Das ist mit "kara" oder "leer" gemeint."

Gichin Funakoshi (1868-1956), Begründer des modernen Karate und des Shotokan Stils

 


STILRICHTUNGEN

Im Laufe der Zeit hat sich das Karate aufgrund von Unstimmigkeiten in den Reihen der Karatebetreibenden in zahlreiche verschiedene Stilrichtungen aufgesplittert.
Das Karate in Japan kann man in vier große Hauptstilrichtungen unterteilen:

Shotokan,
Shito-Ryu, Wado-Ryu und Goju-Ryu.

Mittlerweile sind aus diesen vier Hauptstilrichtungen weitere, zahlreiche kleinere, Stilrichtungen entstanden.

Shotokan.

Der Shotokan Stil wurde von Meister Gichin Funakoshi (1868-1958)gegründet. Es ist der meist verbreitete Karate-Stil weltweit. Hervorgegangen ist dieser Stil aus Shuri-te und Tomari-te. Das Wort Shotokan ist aus drei Schriftzeichen zusammengesetzt. Das Schriftzeichen sho ist aus dem Wort matsu (Pinienbaum) entnommen. To ist das Schriftzeichen für Wellen. Pinienwellen bedeutet "das Geräusch, welches Pinienbäume verursachen, wenn der Wind durch ihre Nadeln bläst". Manchmal wird es auch im Sinne von "Wellen, die die Pinienbäume zu verursachen scheinen, wenn sie sich im Winde biegen".

Der Gründer, Gichin Funakoshi, signierte seine kalligrafischen Arbeiten mit Shoto, dem Namen eines Füllers. Daher stammt auch der erste Teil der Bezeichnung dieser Stilrichtung. Das Wort kan bedeutet Gebäude. Zusammen bezieht sich der Name Shoto-Kan auf das Dojo (Schule, Gebäude), in dem Funakoshi die Künste des Karate lehrte. Im Gegensatz zu den drei anderen Hauptstilrichtungen wird im Shotokan Karate üblicherweise auf die angehängte Silbe Ryu (Stilrichtung) verzichtet.


Shito-Ryu.

Das Shito-Ryu wurde in Osaka von Kenwa Mabun gegründet. Er lernte Shuri-te und Tomari-te bei Yasutsune Itosu und Naha-te bei Kanryo Higashionna. Die Bezeichnung dieses Karate Stils, Shito, geht aus den Spitznamen von Itosu (Shi) und Higashionna (To) hervor und ist somit eine Ehrung dieser beiden Meister.
Das Shito-Ryu Karate enthält mehr Kata Training, etwas Waffentraining und weniger reines Techniktraining als das Shotokan Karate. Auch das Shito-Ryu enthält höhere Stellungen als das Shotokan, es bedient sich jedoch auch der niedrigeren Stellungen des Shotokan Stils. Die Shito-Ryu Kata bewahren ihren Ursprung und ihre Namen aus Okinawa bei. Der Shito-Ryu Stil konzentriert sich auf das Kata Training, wohingegen der Shotokan Stil mehr Techniktraining praktiziert. Das Shito-Ryu kann als eine Kombination aus Shotokan und Goju-Ryu aufgefasst werden

 


Wado-Ryu.

Der Wado-Ryu Stil ist eine Absplitterung des Shotokan und des Shito Ryu. Er wurde 1939 von Sensei Hironori Ohtsuka (1892 - 1982), einem der ersten Shotokan Schüler in Japan, gegründet. Ohtsuka, der Sohn eines Jujutsu-Lehrers, gründete seinen eigenen Stil aus dem Jujutsu Stil seines Vaters und dem Karate, welches er von 1922 bis 1929 bei Funakoshi gelernt hatte. Das Wado-Ryu Karate enthält im Gegensatz zum Shotokan Karate weniger Kata, Kumite und Grundtechniken, dafür mehr Hebel und Würfe aus dem Jujutsu und aus dem Karate Tritte, Blocks, Schläge und Stöße.


Goju-Ryu.

Das Goju-Ryu wurde gegründet von Chojun Miyagi. Hervorgegangen ist dieser Stil aus dem Naha-te. Der Name Goju-Ryu wurde erstmals 1929 verwendet und bedeutet stark (Go) und sanft, weich (Ju). Das Goju-Ryu Karate bedient sich höherer und schmalerer Stellungen, weniger Kata und mehr Kraft- und Konditionsübungen als das Shotokan Karate. Wie der Shito-Ryu Stil, hält der Goju-Ryu Stil an seinem Okinawa-Erbe fest. Das Goju-Ryu konzentriert auf die Entwicklung von Kraft im Gegensatz zum Shotokan, das auf Technik und Schnelligkeit Wert legt.